Kernaussage

Menschen entscheiden nicht auf Basis einzelner Fakten, sondern auf Basis der Geschichte, in die diese Fakten eingebettet sind.

Ein Narrativ ist der gedankliche Zusammenhang, der bestimmt, wie einzelne Informationen Sinn ergeben, zusammengehören und zu einer Entscheidung führen.

Narrative Framing beschreibt den Mechanismus, durch den Informationen Sinn bekommen – und dadurch handlungsrelevant werden.

Was Narrative Framing ist

Narrative Framing bedeutet:

Nicht was gesagt wird, entscheidet über die Wirkung, sondern in welchem Zusammenhang es erzählt wird.

Gleiche Information.

Andere Geschichte.

Andere Entscheidung.

Ein Fakt ohne Narrativ bleibt isoliert.

Ein Fakt im Narrativ wird logisch, emotional und merkfähig.

Warum Narrative wirken

Das menschliche Gehirn sucht permanent nach:

  • Ursache → Wirkung
  • Anfang → Entwicklung → Konsequenz
  • Sinn → Ordnung → Orientierung

Narrative liefern genau das.

Sie reduzieren Komplexität, erzeugen Bedeutung und ermöglichen schnelle Einordnung.

Ohne Geschichte fehlt der innere Zusammenhang – und damit die Entscheidungsgrundlage.

psychologische Fundierung

Warum unser Gehirn auf Narrative reagiert

Das menschliche Gehirn ist nicht darauf optimiert, Fakten zu prüfen, sondern Bedeutung herzustellen.

Informationen werden nicht isoliert verarbeitet, sondern in Ursache-Wirkung-Ketten, zeitlichen Abfolgen und Rollenbildern.

Einzelne Fakten erzeugen keine Handlungsbereitschaft.

Erst wenn das Gehirn erkennt:

  • Was ist das Problem?
  • Warum betrifft es mich?
  • Was steht auf dem Spiel?
  • Wie endet die Geschichte?

entsteht Relevanz.

Narrative Framing reduziert Komplexität, indem es Informationen in eine sinnvolle Abfolge zwingt.

Eine Entscheidung fühlt sich dadurch nicht wie Abwägung an, sondern wie der logische nächste Schritt innerhalb einer Geschichte.

Wichtig:

Das Gehirn prüft Narrative nicht auf Wahrheit, sondern auf Stimmigkeit.

Passt die Geschichte in das bestehende Weltbild, wird sie akzeptiert – selbst wenn Fakten lückenhaft oder nachgelagert sind.

Argumente müssen geprüft werden.

Narrative werden erlebt.

Typische Narrative Frames

Narrative folgen wiederkehrenden Grundmustern:

  • Problem → Lösung
  • Verlust → Sicherheit
  • Chaos → Ordnung
  • Stillstand → Fortschritt
  • Opfer → Retter
  • Alt → Neu

Diese Frames sind keine Inhalte, sondern Ordnungsmodelle, die bestimmen, wie Informationen interpretiert werden.

Abgrenzung zu anderen Mechaniken

Narrative Framing ist nicht gleichzusetzen mit verwandten Konzepten:

Anchoring

Setzt den Startpunkt der Bewertung (Zahl, Eindruck, Referenz)

Reframing

Verändert die Bedeutung eines bestehenden Sachverhalts

Narrative Framing

Schafft Zusammenhang, Sinn und Richtung über Zeit

Narrative Framing wirkt nicht punktuell, sondern strukturell.

Was Narrative Framing nicht ist

(Präzisierung gegen Missverständnisse)

Narrative Framing ist nicht:

  • Storytelling im Sinne von Unterhaltung
  • eine erfundene Heldengeschichte
  • Emotionalisierung ohne Substanz
  • Marketing-Rhetorik ohne strategischen Kern

Ein Narrativ ist kein Textformat, sondern eine Struktur, die festlegt:

  • was als Ursache gilt
  • was als Konsequenz wahrgenommen wird
  • was als logisch, unvermeidlich oder alternativlos erscheint

Ein schlechtes Narrativ schmückt.

Ein gutes Narrativ ordnet.

Anwendung in der Praxis

Narrative Frames steuern Wirkung in nahezu allen Kommunikationsformen:

  • Markenstories
  • Kampagnen
  • Pitches & Präsentationen
  • Change- und Krisenkommunikation
  • Content-Formate (Reels, Artikel, Serien)

Wer kein Narrativ vorgibt, zwingt den Empfänger, selbst eines zu bauen – meist inkonsistent, zufällig oder gegen die eigene Positionierung.

Risiken & Fehlanwendungen

1. Das falsche Narrativ

Ein starkes Narrativ in falscher Richtung wirkt gegen die Marke.

Ein Premiumanbieter, der über „günstige Lösungen“ erzählt, zerstört seine eigene Wertlogik.

2. Übernarrativierung

Zu viele Ebenen, Metaphern oder Wendungen erzeugen kognitive Reibung.

Wenn verstanden werden muss, ist Wirkung verloren.

3. Widerspruch zur Realität

Narrative lenken Wahrnehmung, aber sie überdecken Erfahrung nicht dauerhaft.

Dauerhafte Brüche erzeugen Zynismus, nicht Vertrauen.

4. Inkonsistenz über Kanäle

Ein Narrativ, das nur auf der Website existiert, existiert nicht.

Sprache, Design, Verhalten und Preislogik müssen es tragen.

Mini-Checkliste

Ist unser Narrativ tragfähig?

Ein Narrativ funktioniert nur, wenn alle Punkte erfüllt sind:

  • Ist das zentrale Problem klar – ohne Fachsprache?
  • Ist sofort erkennbar, warum es relevant ist?
  • Gibt es eine klare Ursache-Wirkung-Logik?
  • Passt das Narrativ zur Haltung und Preisklasse der Marke?
  • Bleibt es stimmig, wenn man es stark verkürzt?

Wenn ein Punkt wackelt, wackelt das gesamte Framing.

Abschluss

Einordnung

Narrative Framing ist ein Wahrnehmungs- und Entscheidungsmechanismus, kein Markenfundament.

Marken nutzen Narrative – aber sie entstehen nicht daraus.

Es gehört klar in den Bereich Wahrnehmung & Psychologie.

Narrative Framing verschiebt Entscheidungen vor den Vergleich.

Wer das Narrativ kontrolliert, kontrolliert,

welche Kriterien relevant erscheinen,

welche Alternativen sinnvoll wirken

und welche Entscheidung sich richtig anfühlt.

Darum gewinnen Marken mit klarer Geschichte gegen bessere Produkte.

Nicht, weil Menschen irrational sind –

sondern weil Bedeutung schneller wirkt als Fakten.

Über diese Playbooks

Die hier veröffentlichten Playbooks vertiefen strategische Fragestellungen rund um Marke, Marketing und Kommunikation. Sie übersetzen Wirkmechaniken, Entscheidungslogiken und psychologische Zusammenhänge in strukturierte Denk- und Handlungsrahmen.

Die Inhalte basieren auf über drei Jahrzehnten praktischer Arbeit, analytischer Auswertung realer Markt- und Projekterfahrungen sowie fundierter strategischer Beobachtung. Sie erheben keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit oder Vollständigkeit, sondern dienen der Orientierung bei komplexen Entscheidungsprozessen.

Entstanden sind diese Playbooks im Kontext realer Projekte und strategischer Aufgabenstellungen, wie sie Unternehmen unterschiedlicher Größe und Ausrichtung im deutschsprachigen Raum begegnen. Aus Gründen der Vertraulichkeit, Compliance und Kundenschutzes können viele Erkenntnisse nicht anhand eigener Projekte dargestellt werden und werden daher teilweise anhand externer Beobachtungen, öffentlicher Kampagnen oder allgemein zugänglicher Beispiele erläutert.

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