Menschen mögen Entscheidungen, aber sie mögen keine Unsicherheit.

Wenn zwei Optionen schwer vergleichbar sind, bleibt das Gefühl hängen:

„Ich weiß nicht, was richtig ist.“

Der Decoy-Effekt löst genau dieses Problem.

Mit einer bewusst „schlechteren“, aber ähnlichen dritten Option entsteht plötzlich Orientierung.

Das Gehirn erkennt: „Das ist die vernünftige Wahl.“ Nicht, weil sich der Wert verändert – sondern weil er sichtbar wird.

Die Psychologie dahinter

Der Decoy basiert auf drei stabilen Mechanismen:

Asymmetric Dominance

Eine Option ist klar schlechter als die Zieloption – aber ähnlich genug, um verglichen zu werden.

Cognitive Ease

Der Vergleich wird „leicht“. Das Gehirn bekommt das Gefühl: „Das ergibt Sinn.“

Value Framing

Der Decoy zeigt, wo der Wert wirklich liegt – ohne Preise ändern zu müssen.

Der Decoy ist kein Trick – er reduziert Unsicherheit.

Die Struktur eines wirksamen Decoys

Jedes funktionierende Decoy-Modell hat drei Rollen:

A – Baseline

Die Einstiegsoption.

B – Zieloption (Target)

Die Option, die wirklich gewählt werden soll.

C – Decoy

Eine bewusst schlechtere Variante von B.

Wichtig:

Der Decoy muss schlechter sein als B, aber nicht schlechter als A.

Sonst funktioniert die Dominanz nicht.

Die fünf Decoy-Typen

1. Preis-Decoy (klassisch)

Minimal günstiger, deutlich weniger Wert.

2. Feature-Decoy

Viele irrelevante Extras – das Wesentliche fehlt.

3. Qualitäts-Decoy

Teurer als die Zieloption, aber schlechter.

4. Risiko-Decoy

Unsicher, weniger Garantie, weniger Stabilität. Ideal für B2B.

5. Zeit-Decoy

Schneller oder langsamer in Bereichen, die keinen echten Nutzen bringen.

Beispiele

A) Dienstleistung – Videoproduktion

Paket

Preis

Inhalt

A

1.500 €

einfache Produktion

B (Ziel)

2.500 €

zwei Kameras, Premium-Schnitt

C (Decoy)

2.300 €

zwei Kameras, Basisschnitt

→ Der Decoy zeigt: Der echte Unterschied ist der Schnitt, nicht die Kamera.

→ B wirkt wie das „vernünftige Upgrade“.

B) Industrielle Wartung

Paket

Reaktionszeit

Garantie

Preis

A

72 h

6 Monate

180 €/h

B (Ziel)

24 h

18 Monate

240 €/h

C (Decoy)

48 h

6 Monate

230 €/h

→ Der Decoy zeigt:

Der wahre Wert ist Reaktionszeit + Garantie – nicht der Stundensatz.

Negativbeispiele

so funktioniert es NICHT

❌ Decoy ist offensichtlich manipulativ

„Premium 999 €, Luxury 9.999 €, Standard 99 €“

→ wirkt wie Satire, nicht wie Strategie.

❌ Decoy ist vollkommen nutzlos

Wenn der Kunde denkt:

„Warum existiert dieses Paket überhaupt?“

→ Effekt zerstört.

❌ Decoy ist besser als die Zieloption

→ du sabotierst dich selbst.

Wie man einen Decoy konstruiert

  1. Zieloption definieren (Was soll bevorzugt werden?)
  2. Wertachse bestimmen (Preis, Risiko, Qualität, Zeit, Umfang)
  3. Decoy entlang dieser Achse formen
  4. Dominanz prüfen (Ist der Decoy klar schlechter als B?)
  5. Vergleichbarkeit sicherstellen (gleiche Struktur, gleiche Kategorien)
  6. Darstellung finalisieren (3-Spalten-Layout, klare Labels)

Abgrenzung zu verwandten Mechaniken

Decoy ≠ Anker

Anker setzt eine Erwartung.

Decoy erleichtert eine Entscheidung.

Decoy ≠ Upsell

Upsell fügt etwas hinzu.

Decoy strukturiert den Vergleich.

Decoy ≠ Framing

Framing beeinflusst Bedeutung.

Decoy beeinflusst Auswahl.

Decoy ≠ Choice-Overload-Reduktion

Decoy ist selektiv.

Overload reduziert Menge.

Diese Abgrenzung schützt vor Missverständnissen.

Der ehrliche Einsatz des Decoy-Effekts

Ein guter Decoy:

  • erleichtert Entscheidungen
  • zeigt Wert deutlicher
  • hilft dem Kunden, besser zu vergleichen
  • wirkt fair, weil er Orientierung schafft

Ein schlechter Decoy fühlt sich manipulativ an.

Wichtige Regel: Immer Klarheit vor Taktik.

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Über diese Playbooks

Die hier veröffentlichten Playbooks vertiefen ausgewählte strategische Fragestellungen rund um Marke, Marketing und Kommunikation. Sie übersetzen grundlegende Zusammenhänge, Entscheidungslogiken und Wirkmechaniken in strukturierte Denk- und Handlungsrahmen.

Die Inhalte basieren auf Beobachtungen und Erfahrungen aus über drei Jahrzehnten praktischer Arbeit im Marketing- und Kommunikationsumfeld. Sie erheben keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit oder Vollständigkeit, sondern dienen als Orientierungshilfe für komplexe Entscheidungsprozesse.

Entstanden sind diese Playbooks im Kontext realer Projekte und wiederkehrender Fragestellungen, wie sie Unternehmen unterschiedlicher Größe und Ausrichtung im deutschsprachigen Raum begegnen.

© Werbeagentur Citylights® – Nutzung, Zitat und Weiterverwendung nur mit Quellenangabe.

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